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Segeln auf Katamaran Neverland

Segeltörn mit Katamaran Neverland auf den Kapverdische Inseln im November 2004

Katamaran Neverland hat im Oktober/November 2004 für einige Wochen Station auf den Kapverdischen Inseln gemacht und mit Gästen viele der Inseln besucht. In dem folgenden Reisebericht sind die Eindrücke eines 2 wöchigen Segeltörns durch die Inselwelt der Kapverden mit Catamaran Neverland wiedergegeben.

Die Kapverden liegen rund 300 Seemeilen vor der Küste Afrikas auf der Höhe von Senegal. Das Archipel besteht aus 18 Inseln von denen 10 dauerhaft bewohnt sind. Insgesamt 350 000 Kapverdianer leben auf den Inseln, rund 500 000 leben außerhalb in den USA oder Europa, sind dem Land aber immer noch sehr verbunden. In den 60er Jahren hat das Land schlimme Dürrekatastrophen erlebt mit Hungersnöten und viele Einwohner haben sich entschieden auszuwandern.

Die Kapverden waren eine Kolonie von Portugal, sind aber seit 1975 ein selbständiger Staat mit der Hauptstadt Praia. Kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt ist aber Mindelo.

Die Kapverden sind ein weniger bekanntes und noch kaum erschlossenes Segelrevier. Das hat seine Reize, bringt aber auch gewisse logistische Nachteile mit sich.

Karte Atlantischer Ozean
Die Kapverden sind eine vulkanische Inselgruppe und liegen 300 Seemeilen westlich
vor der afrikanischen Küste auf der Höhe Senegals.

Samstag, 06. 11. 2004

Mit einiger Verspätung landen wir um 02.00 morgens auf Sal. Ein bereits auf den ersten Blick afrikanischer Flughafen, der kurzfristig durch die hereinströmenden und visanachlösenden (45 €) Touristen überschwemmt wird.

20 Minuten Taxifahrt und erste Begegnung mit der gänzlich anderen Welt unter der Sonne des Südens: Wir gehen im Dunkeln zum Dingi, das am Ende eines wackeligen Stegs wartet, der – übrigens dieserhalb im einschlägigen Reiseführer fotografisch abgelichtet – teilweise den Charakter einer Hängebrücke hat und über die Jahrzehnte mit Planken geflickt wurde, wenn denn solche zu Verfügung standen. Teilweise sind einfach keine da.

Wir steuern Neverland an, das weiße Toplicht überragt alle vor der Küste von Santa Maria am lang gezogenen Strand ankernden Segler. An Bord werden wir von Kurti und Franziska der Crew von Neverland freundlich begrüßt – trotz der inzwischen recht fortgeschrittenen Uhrzeit von 3.00 Uhr morgens. Zur Begrüßung ein erstes Glas Wein auf dem außergewöhnlich geräumigen und eleganten Katamaran.

Nach kurzer Nacht sind die ersten tiefen Eindrücke das märchenhafte Türkisblau des Meeres und der goldgelbe Sandstrand, der etwa 150m vom Boot in leichtem Wellenschlag liegt – eine angenehmen Entfernung zum Schwimmen. Es dürfte etwa 27 Grad warm sein. Immer wieder vorbeiziehende leichte Bewölkung und der stetige laue Passatwind machen die Temperatur außerordentlich angenehm. Das Wasser hat 26 Grad und ist derart klar, dass man kleine Fischschwärme wie silberne Nadeln vom Boot aus betrachten kann.

Heute ist ein ruhiger Tag an Bord zwecks Kennenlernen und Akklimatisation sowie Lektüre des wohl einzigen Reiseführers: Die Inselgruppe besteht aus vegetativ unterschiedlichen Inseln, einige sind unbewohnt, der Führer zeigt die Farben Afrikas.
Natürlich heißt es im Laufe des Tages, mit dem ca. 26 Grad warmen, weichen und außerordentlich angenehmen Wasser schwachbetuchte Fühlung aufzunehmen. Schwimmen könnte nicht schöner sein.

Am Abend essen wir im Ort in einem kleinen Restaurant mit maximal 20 Plätzen, erstaunlich portugiesisch eingerichtet und werden großartig bekocht von einem französischen Koch und seiner portugiesischen Ehefrau. Nach dem Essen schlendern wir über den Platz mit einer Bar, die Lifemusik bietet. 6 Musiker mit der klassischen Instrumentierung bieten den traditionellen kapverdischen Musikkanon: Morna, Coladeira, Batuko und Funaná.

Sonntag, 07.11.2004

Beim Aufstehen ein erster Rundblick und schon stellt sich erneut die Verblüffung über die Farben wieder ein, türkis und gelb. Wir laufen – nach einem erfrischenden Schwimmen zum Strand, Strandspaziergang und der entsprechenden Schwimmstrecke zurück – gegen Nachmittag aus, denn seit gestern kommen unentwegt offizielle oder freiwillige Helfer zum Boot und warnen vor dem drohenden Südwind, der starken Schwell und klebrigen roten Sand und Heuschrecken mit sich führen soll. Der Ankerplatz in der Nähe des Strandes muss aufgegeben werden. Wir wollten aber sowieso auslaufen zur Inseln St. Vincente.

Wir lichten gegen 16.00 den Anker und teilen die Wachen ein, denn wir werden die Nacht durchfahren – leider mangels Wind unter Motor – und erst am kommenden Tag gegen Mittag auf der Insel Sao Vincente mit der Stadt Mindelo eintreffen. Das Wetter ist zurzeit recht untypisch – wir haben eine Passatstörung. Es sieht sogar nach Regen aus, was in dieser Region äußerst selten vorkommt.

Die Sicht ist klar, das Wasser blau bis eisengrau und wir halten nach allen Seiten Ausschau: kein Boot ins Sicht, nirgends Land, dann und wann aber für kurze Strecken aufregende Reisebegleiter: Ein großer Hai lässt sich mit seiner markanten Schwanzflosse blicken; ein kleiner Wal, der mit rundem Rücken auf- und abtaucht, wirkt freundlicher und erheiternd fast sind die fliegenden Fische, die –durch das Boot aufgescheucht – abheben und wie etwas zu fette Vögel 100 Meter fliegen, um dann wieder ins Wasser zu klatschen. In der Nacht klatschen sie übrigens häufiger gegen die Bordwand.

Ich hatte all das bislang für Seemannsgarn gehalten und nun halte ich ein an Bord geratenes Beweisstück in der Hand.

Ein fliegender Fisch ist an Bord von Katamaran Neverland
Ein fliegender Fisch ist an Bord von Katamaran Neverland gelandet.


Montag, 08. 11. 2004

Gegen Mittag laufen wir unter wolkenbruchartigen Regenfällen in der Bucht von Mindelo ein. Hier ankert bereits eine Vielzahl von Yachten, die sich – ausgewiesen durch eine blaue Flagge – offenbar gemeinsam auf Weltumsegelung befinden. Mindelo ist der einzige richtige Hafen auf den Kapverden und auch der beste Versorgungsort.

Am Abend ein Landausflug: Mindelo, die noch vor kurzem den Ruf einer verruchten, gefährlichen Hafenstadt hatte, hat ihr Gesicht stark gewandelt. Offenbar in Erwartung größeren touristischen Interesses sind die Kinderbanden aus dem Straßenbild verschwunden. Abgesehen von fliegenden Händlern, die hier und da sichtbar werden, werden wir nicht angesprochen. Wir fühlen uns sicher hier. Auffällig ist der Altersschnitt der Bevölkerung, jedenfalls soweit sie sich im öffentlichen Leben auf den Straßen präsentiert. Es dominieren junge, schlanke, große und gut aussehende Menschen, denen man die teils afrikanische, teils europäische Herkunft ansieht.

Dienstag, 09.11.2004

Durch die für die Region völlig atypischen Regenfälle sieht man bereits erste Grünschleier auf den schroffen vulkanischen Felswänden der Insel. Heute wird groß eingekauft und gebunkert, denn es geht in unbewohntere Regionen, so dass es Vorrat fassen heißt.

Faszinierend ist auch heute wieder das Licht, das den Hang mit den bunten Häusern im Sonnenuntergang in minütlich wechselndes, teilweise impressionistisch wirkendes Licht taucht und der jähe Einbruck der Dunkelheit.

Ankernde Yachten in der Bucht von Mindelo
Ankernde Yachten in der Bucht von Mindelo kurz vor Einbruch der Dämmerung

In der Ankerbucht von Mindelo bei Einbruch der Dämmerung
In der Ankerbucht von Mindelo bei Einbruch der Dämmerung


Am Abend geht es wieder mit dem Dingi an Land. An einem provisorischen Steg wird angelegt und die Leine den jungen Bootswärtern übergeben, die davon leben, dass sie auf die Beiboote aufpassen.

Der Club Nautico – Treffpunkt der Segler am Hafen – bietet am Abend Lifemusik in klassischer Instrumentierung: Vier Gitarren, davon zwei der kleinen typischen Gitarren, eine E-Gitarre und eine normale Gitarre.

Mittwoch, 10.11.2004

Heute geben wir gegen Mittag den Ankerplatz zwischen den großen Segelbooten und Frachter, die ihre besten Jahre hinter sich haben, auf und starten in Richtung Sao Antao, eine Insel die ca. 20 Seemeilen entfernt ist mit einem kleinen Ort an der Südostküste unser heutiges Etappenziel. Entgegen allen Vorhersagen ist der Wind nicht aufgefrischt – nicht einmal im Kanal von Mindelo, wo normalerweise immer ein stärkeren Wind wehen soll – so dass wir auch heute unter Motor laufen, immerhin 9 Knoten, lange Zeit an der bizarr vulkanischen Kulisse von Sao Vincente und Sao Antao entlang.

die Kulisse von Sao Vincente
Katamaran Neverland segelt an der bizarr vulkanischen Kulisse von Sao Vincente entlang

Das Ankern vor der Küste von Tarafal erweist sich als nicht ganz so einfach, denn die Küste wirkt mit dem offenbar steilen Abfall unmittelbar vor der Brandungslinie gefährlich: ein Glück, dass Neverland mit extrem schweren und langen Ankerketten ausgestattet ist. Wir ankern auf 40 m Wassertiefe in sicherem Abstand von der Brandungslinie. Aufgrund des Schwells und der fortgeschrittenen Zeit kurz vor Einbruch der Dämmerung können wir heute nicht mehr an Land und die Nacht bricht auch heute sehr schnell, geradezu überfallartig, während des Ankermanövers herein. Bereits um 19.00 Uhr ist es stockdunkel.

Ein ruhiger Abend also an Bord – aber kein Problem an Bord dieses bemerkenswert schönen Bootes mit seiner ebenso gemütlichen wie klaren Einrichtung und genügend Platz sich auch zurückziehen zu können. Trotz der hervorragenden Küche von Kurti mag ich immer noch nicht essen, denn die Spezialität des Landes, eine Cachupa – eine Gemüse-/Fleischeintopf mit Soße – ist mir beim gestrigen Landgang nicht bekommen.

An dieser Stelle sei ein allseits bekannter Rat eingeflochten: kein Wasser trinken, keinerlei Eiswürfel tolerieren, niemals Eis essen, Getränke in geschlossenen Flachen bestellen und mit den Früchten, die verführerisch bunt locken, heißt es ebenfalls Vorsicht. Es gilt: Cook it, peal it or forget it.

Donnerstag, 11.11.2004

Wir wollen am Morgen in Tarafal an Land gehen und vergewissern uns im Führer, dass man bei stärkerem Schwell besser die Hilfe der örtlichen Fischer mit ihren wuchtigen, bunt angestrichenen Holzbooten in Anspruch nimmt. Wir winken und werden dann von einem solchen mit 4 Ruderern besetzten Boot abgeholt, was sich als klug erweist, weil wir hier beobachten, dass selbst der erfahrene Rudergänger eine geeignete Brandungswelle abwarten muss, um gefahrlos ans Ufer zu kommen. Wir erreichen also kaum nass geworden und beinahe trockenen Fußes den Strand von Tarafal.


Unsere Rudercrew um durch den Schwell den Ort Tarafal zu erreichen

In unmittelbarer Nähe zum Strand unterhält ein Deutscher namens Frank eine Pension, die unter Akazien liegt und mit ihrem geflochtenen Bastdächern schön in die Umgebung eingefügt ist. Hier rasten wir kurz und peilen die Lage für unser weiteres Vorhaben.

Der Ort, der gewissermaßen am Hang klebt, ist sauber, gepflegt und verströmt in seiner Schlichtheit einen ganz besonderen Charme.

Landgang in Tarafal
Landgang in Tarafal

In der Zwischenzeit haben sich uns Führer angeboten, junge Männer, die sich etwas Geld durch die Begleitung der wenigen Reisenden verdienen. Mit zweien von ihnen gehen wir gemeinsam in das Dorf und lassen uns alles erklären, wo das Wasser herkommt, der Strom gemacht wird, die Schule ist, das Brot gebacken wird und wie man ins Landesinnere kommt.

Das schönste Gebäude ist die Schule. Und schon sind wir auf dem Schulhof von vielen Kindern umgeben. Der Lehrer fragt uns woher wir kommen und wie lange wir bleiben und so erfahren wir, dass sein zweiter Beruf der des Einklarierungsbeamten ist. Verblüffend ist, dass der Schule gegenüber ein weiterer Unterrichtsraum öffentlich zugänglich ist, in dem es Internetanschluss gibt. Während die Menschen barfuß im Ort umherlaufen, Lasten auf dem Kopf tragen und – abgesehen von der amerikanisch-europäischen Kleidung – in einer ganz eigenen Welt leben, hat dieses Medium Internet auch hier Einzug gehalten.

Sehr junge Mütter haben eine Vielzahl von Kindern, die uns überall begegnen und neugierig mit großen strahlenden Augen betrachten, aber in keinster Weise aufdringlich sind. 5 junge Frauen kommen uns mit großen Kübeln auf dem Kopf tragend entgegen. Unsere Führer erzählen, dass sie jeden Tag um diese Zeit diesen Weg gehen um den Schweinen, die außerhalb des Ortes in Umzäunungen aus Lavabrocken gehalten werden, Futter zu bringen.

Dorfleben in Tarafal
Dorfleben in Tarafal

Wir durchstreifen das Dorf und gelangen dabei immer höher auf den Berg und können uns bald über das großartige Panorama freuen. Das Boot liegt ruhig schwojend tief unter uns in der Bucht vor Anker. Mehrfach halten wir an, um uns an diesen Anblick zu erfreuen.

Katamaran Neverland tief unter uns vor Anker
Katamaran Neverland tief unter uns vor Anker

Ganz oben am Hang beobachten wir drei von einer Frau beaufsichtigte Männer, die mit allerhand unzureichenden Werkzeugen eine große Baumwurzel zerkleinern wollen und kommen ins Gespräch mit einem der Männer. Er war zur See gefahren und kannte Deutschland ausgerechnet aus der Perspektive des Ortes Brake. Durch unser Gespräch sind die anderen Männer aber abgelenkt und es kommt leider zu einem Unfall, da sich einer der Männer mit der Axt in den Fuß schlägt. Notdürftig wird der Fuß mit einem Taschentuch verbunden und der verletzte geht strammen Schrittes zur Sanitätsstelle unten in Dorf.

Um 17 Uhr sind wir alle wieder in Franks Pension und nehmen, begleitet von unseren beiden jungen Führern, ein köstliches Fischessen ein. Und dann geht es wieder mit dem Boot der Fischer durch die Brandung an Bord. Auf das Boot zu kommen ist – auch nach diesem herrlichen Tag – nach Hause kommen. Welch ein Luxus: Nur die Schnecke hat ihr Haus dabei und die ist sooo langsam.

Wieder wird es schlagartig dunkel. Die Nacht ist ruhig und sternenklar. Es ist die Stimmung für das romantische Gedicht von Eichendorff (der allerdings nicht auf See geschrieben hat):
„… und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die dunklen Lande, als flöge sie nach Haus.“
Die Heimat in der Weite, was für ein schöner Gedanke.

Freitag, 12.11.2004

Um 12 Uhr lichten wir Anker und segeln Richtung Brava, eine der kleinen abseits gelegenen kapverdischen Inseln. Über 120 Seemeilen sind zurück zu legen und die Fahrt wird so angelegt, dass wir beim helllichten Tag am nächsten Tag unser Ziel anlaufen. So erlebe ich meine zweite Nachtfahrt. Die Nacht ist stockdunkel, da der sichelförmig liegende Mond nicht sichtbar und auch die Sterne durch die Wolken bedeckt sind. Das Boot zieht seine schnelle Bahn. Kein Schiff weit und breit, was einesteils berauschend und anderenteils beängstigend für mich ist. Nachts frischt der Wind leicht aus Nordost auf und mit raumen Wind haben wir einen leichten Kurs und machen gute Fahrt.

Samstag, 13.11.2004

Wir laufen zirka um 11 Uhr vor Brava ein. Unser Zielort ist die Bucht von Porto da Forma, ein abgestürzter Vulkankrater, dem man seine geologische Herkunft noch gut ansieht.

Wir können Neverland mit dem Dingi verlassen, müssen aber, kaum zum ersten Drink in einer kleinen Privatbar angekommen, das Boot verlegen, weil ein Frachtschiff in die Bucht will, der offenbar keinen Rückwärtsgang hat und daher nur bedingt manövierfähig ist und einen großen Bogen fahren muß, wobei wir im Wege sind.

Von Beginn unserer Anwesenheit an stehen wir im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, insbesondere der Kinder. Ein Lasttaxe – Aluguer – bietet uns eine Inselrundfahrt zum Festpreis an. Tatsächlich hat Brava nur 2 größere Straßenverbindungen, die erste von Porta da Forna zum höher gelegenen Sintra Nova und von dort zur Bucht von Faija. Sintra Nova liegt deutlich höher und oftmals im Nebel, was der offenbar prosperierenden Ortschaft eine angenehme Kühle und auch deutlich reichere Vegetation beschert.

Foto Ankerbucht im Krater Porta da Forna auf Brava
Die Ankerbucht im Krater Porta da Forna auf Brava

Sintra Nova auf Brava im Nebel
Sintra Nova auf Brava im Nebel

Sintra Nova ist deshalb nach dem portugiesischen Sintra benannt, das betuchteren Bürgern von Lissabon an Wochenenden oder in den Ferien ein Verweilen in ähnlich klimatischen Bedingungen erlaubte. Wir erleben dort zufällig in der kleinen Dorfkirche eine Probe des Kinderchores, ein vitaler, heiterer Gesang, der uns große Freude macht.

Die Fahrt mit dem Aluguer dann bietet grandiose Ausblicke. Die Insel erhebt sich schroff aus dem Meer und gibt ihren wilden vulkanischen Entstehungsprozess zu erkennen. Dank der Regenfälle der letzten Tage überzieht ein Grünschleier die ansonsten vegetationsarmen Felsen. Tiefe Schluchten sind von der kopfsteingepflasterten Straße an jeder Ecke einsehbar. Das grandiose Meerespanorama zeigt uns die kleinen unbewohnten vorgelagerten Inseln in der Brandung.

An der Westküste von Brava, grandiose Buchten
An der Westküste von Brava, grandiose Buchten


Ausblick aufs Meer von Bravas Nordküste aus
Ausblick aufs Meer von Bravas Nordküste aus

Die gepflasterte Straße hat durch den Regen der letzten Tage erhebliche Schäden bekommen. Felsen sind abgerutscht und viele Steinbrocken liegen auf dem Weg oder sind nur teilweise weggeräumt. Der Fahrer unseres Aluguer fährt kurvenreich um die Hindernisse herum und nur zentimeterweise an dicken Felsbrocken vorbei.
Der Weg ist im Ortsausgang von Sintra von Hibiskusbäumen gesäumt, die noch in voller Blüte stehen.

An der schönen Bucht von Faija vorbei endet die Straße vor einem Flughafen, der mangels Touristenfrequenz dem Verfall preisgegeben ist und ein nahezu unwirkliches Bild liefert. Hier findet sich aber auch ein regelrechtes Felsenschwimmbad, das – vom frischen Seewasser der überkommenden größeren Wellen gespeist – von Kindern und Jugendlichen der Umgebung stark frequentiert wird. Wir schauen dem Treiben zu und würden gerne hineinspringen, wenn nicht solches einen beachtlichen Abstieg zum Meer hin erfordern würde. Als wir noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Forna zurück kommen, erleben wir einen der bewegenden Höhepunkte der Reise.

Die Kinder, die sich dort ohne jedes Spielzeug zu beschäftigen wissen, froh miteinander spielen und praktisch keinen Streit zu haben scheinen, werden auf unsere Kamera aufmerksam und bitten um Fotos. Das kommt uns sehr gelegen, denn die hübschen Gesichter strahlen; jedes Mädchen hat eine besonders niedliche Frisur und es gelingt uns so, ein vorbehaltloses Glück nicht nur in uns, sondern auch fotografisch aufzunehmen.


Junge Mädchen auf Brava
Junge Mädchen auf Brava

kleine Mädchen mit ihren niedlichen Frisuren im Dorf von Forna
kleine Mädchen mit ihren niedlichen Frisuren im Dorf von Forna

Auch die Jungs wollen aufs Foto
Auch die Jungs wollen aufs Foto

Strahlende Augen fürs Foto
Strahlende Augen fürs Foto

Und sofort schauen sich die Kinder ihr Konterfei in der Bildfläche der Digitalkamera an, juchzen vor Vergnügen und sind ganz aufgeregt. Es ist schade, dass wir keine Polaroidkamera zur Verfügung haben, um die Bilder zu verschenken. Dies wäre sicherlich ein großes Vergnügen für die Kinder gewesen.

Auch beim Abendessen beobachten wir das ebenso heitere wie friedliche Spiel der Kinder. Selbst Kleinstkinder, die kaum laufen können, spielen auf der Straße mit. Die größeren Kinder und Erwachsenen, die – sicherlich auch in Ermangelung von Beschäftigung – dort sitzen, greifen ohne Hast und wie selbstverständlich ein, wenn Gefährdung droht. Insgesamt beobachten wir einen natürlichen, freundlichen Umgang mit den Kindern. Weder haben wir laute scharfe Worte noch gar Aggression der Erwachsenen gegenüber den Kindern erlebt. Alles in allem ein beglückendes Erlebnis, das Anlass auch zur Nachdenklichkeit gegeben hat: Wie viel seltener ist das vorbehaltlose strahlende Kinderglück, das in der deutschen Literatur gerne beschworen wird und doch unsere Überflussgesellschaft so gar nicht prägt.

Sonntag, 14.11.2004

Wir laufen am Vormittag aus der Kraterbucht aus, dies unter Änderung der Reispläne, weil ein Schaden am Motor eine Revision in Mindelo erforderlich macht. Zwischenstation allerdings gegen Mittag in Fogo, der Insel, die durch ihren noch zu besichtigenden Vulkankrater berühmt ist. Hier ankern wir nur wenige Stunden zum Baden und zum Mittagessen. Am Nachmittag segeln wir los und sind über Nacht unterwegs, um am darauf folgenden Vormittag wieder in Mindelo einzulaufen.

Wir erleben in Mindelo noch 3 schöne Tage, durchqueren die Insel mit dem Taxe, um in der Baia las Gatas zu schwimmen und zu schnorcheln. Wir bekommen Kontakt zu Menschen, die dort leben, werden eingeladen und bekommen so mehr Eindrücke von diesem doch so fremden Land.

Bei unseren Streifzügen durch die Stadt Mindelo lassen wir uns natürlich auch den großen Fischmarkt nicht entgehen. Große bis zu 2 m lange Thunfische werden angelandet, Mahi Mahis, Wahoos und viele kleineren uns namentlich nicht geläufigen Seefische. Der Fischmarkt bleibt eine bunte, lebendige Erinnerung.

Der Fischmarkt in Mindelo
Der Fischmarkt in Mindelo

Auch habe ich erfahren, dass man ein Land vom Segelboot aus anders kennen lernt als der Normalurlauber. Der unprätentiöse Umgang der Segler und der in ihrem Umfeld Tätigen ermöglicht uns Kontakte zu Menschen, die – sei es weil sie nach Jahren in Europa in die Heimat zurückgekehrt sind. Oder sei es, weil sie aus ihrem Leben in Deutschland ausgestiegen sind -, auf den Kapverden leben und arbeiten. Spürbar wird, dass man mit der Zunahme touristischen Interesses für die Kapverden rechnet und hierfür gewissermaßen aufrüstet. Der Bau einer Marina steht an, ebenso wie wir von Plänen erfahren, eine Fischräucherei zu eröffnen.

So wird in den letzten Tagen unseres Urlaubs noch einmal deutlich, dass die Kapverden zwischen Afrika und Europa flotieren. Wie die Menschen, die afrikanische Farben und europäische Profile in sich vereinen, versucht die junge Gesellschaft, in der das Internet eine große Rolle spielt, den Anschluss an die Industrienationen zu erhalten, ohne das eigene und alternative Lebensgefühl aufzugeben.

Ob dazu der Kreis zu quadrieren ist oder ob unter der Sonne des Südens alles möglich ist, wird sich zeigen. Für uns heißt es – sehr bereichert, erholt und dankbar – zurück in die alte Welt, wo unser Leben sicher vor Anker liegt. Unvergesslich bleibt, die Weite, das Licht und das strahlende Lachen der Kinder.

Faszinierend, die Weite und das Licht
Faszinierend, die Weite und das Licht

Farbenspiel mit den Wolken
Farbenspiel mit den Wolken

Sonnenuntergang vor Sao Vincente
Sonnenuntergang vor Sao Vincente

strahlende Mädchenaugen
strahlende Mädchenaugen

Hannover 20. 12. 2004
Uta Rüping

 

 

 

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Dr. Ferdinand Pohl
ferdinandpohl@hotmail.com
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